Namibia Blog

bogLeitartikel, UNESCO

Durch unsere Mitgliedschaft im Netzwerk der UNESCO-Projektschulen sind wir auf die Möglichkeit aufmerksam geworden, mit Unterstützung von The Global Experience eine Partnerschaft mit einer Schule aus Namibia aufzubauen. Um zu prüfen, ob wir solch einer Partnerschaft gerecht werden können, begibt sich unser Stellvertretender Schulleiter mit dem Vertreter einer weiteren UNESCO-Schule aus dem Ruhrgebiet nach Namibia. Es sollen bereits bestehende Projekte zwischen Schulen aus Deutschland und Namibia gesichtet, Kontakte zu Schulen geknüpft und schließlich eine passende Partnerschule gefunden werden. Wir haben das Vorhaben in Form eines Blogs dokumentiert. Viel Spaß beim lesen.


Tag 1: GOODBYE Dortmund – HELLO WINDHOEK
Die Reise nach Namibia beginnt mit der ersten Überraschung. Anstatt eines ICE fährt ein IC in den Hauptbahnhof Dortmund ein, der uns nach Frankfurt zum Flughafen fahren soll. Die Deutsche Bahn hat als weitere Überraschung eine fast einstündige Verspätung mitgebracht. Trotz allem schaffen wir es noch pünktlich zum Check-In und nehmen unsere Plätze in dem Airbus A330-200 ein. Jetzt heißt es die Flugzeit von über zehn Stunden so angenehm wie möglich zu gestalten. Und was gibt es schöneres als im Flugzeug zu schlafen? Gute Nacht


Tag 2:WINDHOEK – HERE WE ARE

Der Schlaf im Flieger muss reichen. Bereits kurz nach der Ankunft machen wir uns auf den Weg zur Moreson School Windhoek. Hier treffen wir Kollegen der Primus-Schule Münster, die mit ihren und namibianischen Schüler*innen an Modelfliegern arbeiten, die mit Hilfe von Sonnenenergie abheben. Jedem, der den Schüler*innen bei der Arbeit zuguckt bleibt auch nichts anderes übrig als abzuheben, denn bei den Kleinen handelt es sich um Schüler*innen mit Förderbedarf. Auf dem Schulgelände befindet sich auch seit 2015 der Skatepark, der von der Skate-Aid-Stiftung gebaut wurde. Außerdem lernen wir Ahmet aus Duisburg kennen, der ein Freiwilliges Soziales Jahr am Skatepark macht.


Tag 3: HUNGRY CHILDREN CAN`T LEARN!
Bereits sehr früh fahren wir zur Elim Primary School in der Visarend Street. Hier informieren wir uns über ein ganz besonderes Projekt. Joachim Keferstein, bis vor kurzem noch Referatsleiter im MSB in Düsseldorf und heute Bauleiter einer Suppenküche in Namibia, gibt uns Einblicke in ein ganz besonderes Projekt. Unter dem Motto: „Hungry children can`t learn“, wird mit Unterstützung des örtlichen Schulministeriums und sechs Handwerkern von der IHK-Münster eine 300qm große Suppenküche gebaut, die den mittellosen Schüler*innen der 1300 Kindern an der Elim Primary School, mindestens einmal am Tag ein warmes Essen ermöglichen soll.


Tag 4: Swakopmund

Es ist Samstag und damit unterrichtsfrei. Auf die Frage, was wir machen können empfiehlt man uns, nach Swakopmund zu fahren, da es nur nur ca. 350km von Windhoek entfernt sei. Nah und fern bekommen in Namibia eine ganz andere Bedeutung. Die ca. 2,5 Mio. Einwohner leben auf einer Fläche, die 2,5 mal größer als Deutschland ist. Swakopmund wirkt mit seinen Straßen, Häusern und Geschäften wie eine Stadt in Deutschland. Auch hier sind die Spuren der deutschen Kolonialzeit nicht zu übersehen. Die Kaiser Wilhelm I. Straße, die Adler Apotheke und der Friseur Gebauer sind nur einige Beispiele, die das deutschgeprägte Stadtbild von Swakopmund bestimmen.


Tag 5: DIE STILLE DER WÜSTE
40 Kilometer von Swakopmund liegen womöglich die höchsten Sterndünen der Welt. Die Dünen erreichen eine Höhe von bis zu 383 Metern und gehören bei einem Besuch der Region zum Pflichtprogramm. Menschen, egal ob alt oder jung versuchen zielstrebig so weit wie möglich in die Höhe zu steigen, nur um von da oben in die unendliche Ferne der Wüste blicken zu können. Der glühend heiße Stand findet seinen Platz zwischen den Zehen und macht den Aufstieg nicht einfacher. Die Luft ist heiß, trocken und sandig. Die Stille unbezahlbar.


Tag 6: DARAUS KÖNNTE WAS WERDEN
In den letzten Tagen haben wir vier unterschiedliche Partnerschaftsmodelle vorgestellt bekommen. Wir müssen uns entscheiden, welches Partnerschaftsmodell wir wollen und auch gerecht werden können. Unser einheimischer Kollege Adolf Kinda vermittelt uns ein unverbindliches Treffen mit dem Schulleiter der Jan Möhr Secondary School in West-Windhoek. Wir Sitzen im Dienstzimmer von Schulleiter Lucas Hashiti und tasten uns vorsichtig heran. Könnte die Jan Möhr Secondary School die passende Partnerschule sein? Um das zu klären, kommen wir am nächsten Tag wieder und wollen die Schulgemeinschaft näher kennenlernen.


Tag 7: DIE JAN MÖHR SCHOOL WIRD ES
Mr. Hashiti informiert an diesem Morgen bei der Frühbesprechung sein Kollegium über eine mögliche Partnerschaft mit Deutschland. Als wir um 10.00 Uhr in das Lehrerzimmer kommen, ist nicht zu übersehen, dass Mr. Hashiti  großen Erfolg bei seinen Lehrer*innen an der Jan Möhr Secondary School hatte. Kaum angekommen, beginnt ein fruchtbares Arbeitstreffen mit der Arbeitsgruppe, die sich extra für den Austausch mit uns gebildet hat. Es ist auf allen Ebenen eine Beziehung auf gleicher  Augenhöhe, die Kolleg*innen sind topp ausgebildet, hochmotivierte Schüler*innen und eine Schulleitung, die das Projekt mitträgt.


Tag 8: „MACHT DOCH EINE DOPPELPARTNERSCHAFT“
Adolf Kinda von The Global Experience Namibia und Christoph Lamm von The Global Experience Deutschland erkennen die Möglichkeit einer Doppel-partnerschaft. Weil die Jan Möhr School überwiegend aus Schüler*innen aus der Mittelschicht besteht und über finanzielle Ressourcen verfügt, wird die Immanuel Shifidi Secondary School teil unserer Partnerschaft. Die Immanuel Shifidi School liegt in Katutura, einem sozial schwierigen Stadtteil von Windhoek. Durch diese Doppelpartnerschaft kann den Kindern aus Katutura ein Austausch mit Schüler*innen aus Deutschland ermöglicht werden. Die weitere Partnerschule aus Deutschland ist die Käthe Kollwitz Schule aus Recklinghausen.


Tag 9: WIR HABEN UNS GEFUNDEN
Heute unterzeichnen wir die Verträge. Hierzu treffen wir uns im Büro von Mr. Katjiuongua, dem Schulleiter der Immanuel Shifidi Secondary School. Mr. Katjuongua ist vom Volk der Herero. Als Mitglied der Bevölkerungsgruppe der Herero ist ihm diese Partnerschaft sehr wichtig. Den Herero ist während der deutschen Kolonialzeit sehr viel Leid widerfahren. Er glaubt fest daran, dass die Begegnung zwischen Schüler*innen aus Namibia und Deutschland für die Aufarbeitung der namibisch-deutschen Geschichte von Bedeutung sein könnte. Den Partnerschaftsvertrag unterzeichnen Mr. Hashiti (Jan Möhr School) Mr. Katjuongua (Immanuel Shifidi) Herr Aydin (Käthe Kollwitz Schule) und Herr Engelhardt im Namen unserer Schule.


Das Ergebnis: Eine ganz besondere Art der Schulpartnerschaft
 
In Zusammenarbeit mit der Käthe Kollwitz Schule aus Recklinghausen haben wir Schulpartnerschaften mit 2 namibischen Schulen schließen können: Die Jan Möhr Secundary School und die Immanuel Shifidi Secondary School in Windhoek. Die Jan Möhr Schule gehört zu den gehobeneren Schulen in Windhoek, hat etwa 1400 Schüler*innen, besitzt ein eigens Guesthouse, einen Schulbus und wird von allen Bevölkerungsschichten Windhoeks besucht. Die Immanuel Shifidi Schule liegt am Rande des Townships „Katutura“ (übersetzt „Ort an dem wir nicht leben wollen“) und hat demzufolge hauptsächlich Schüler*innen, die aus diesem ärmeren Ortsteil kommen. Durch die gemeinsame Partnerschaft der namibischen Schulen erhofft sich der namibische Director of Education, dass diese zwei unterschiedlichen Schulen auch auf lokaler Ebene eine Zusammenarbeiten starten. Alle vier Schulen werden ein gemeinsames, fair und nachhaltig gestaltetes Fußballturnier mit interkulturellen, geschlechterübergreifenden Teams planen und durchführen, welches im kommenden Jahr stattfinden soll.