„Nice to meet Jew“

Daniel OlligschlägerLeitartikel

UNESCO-BotschafterInnen der Gesamtschule Scharnhorst im Gespräch mit den Jüdinnen Vika (24) und Mascha (22)

Was ist eigentlich koscheres Essen? Welche jüdischen Fest- und Feiertage gibt es? Und was machen jüdische Menschen am Schabbat?
Viele Jugendliche wissen wenig über das Judentum und kaum jemand in Deutschland kennt Juden persönlich. Oft denken Jugendliche an den Holocaust oder Israel – aber wie sieht eigentlich jüdisches Leben in Deutschland heute aus? Das Projekt „Meet a Jew“ des Zentralrats der Juden bietet an, genau darüber ins Gespräch zu kommen.

Die UNESCO-Gruppe ist froh, dass das Treffen vor Ort und nicht digital stattfinden kann. Im Stuhlkreis sitzen etwa 25 Lernende der Klassen 9-12. Zu Besuch sind Vika und Mascha. Sie sind Studentinnen aus Dortmund und Essen, jüdisch und arbeiten ehrenamtlich für das Begegnungsprojekt „Meet a Jew“.
Havin und Yacouba moderieren das Gespräch und es gibt viele Fragen; zu den Unterschieden und Gemeinsamkeiten der verschiedenen Religionen, zum Alltag und den Erfahrungen mit Antisemitismus.

Antisemitische Äußerungen haben die beiden zum Glück selten selbst erlebt, hören aber immer wieder davon im Freundes- und Familienkreis. „Als Frauen sieht man uns das Judentum einfach auch nicht an“. Daher treffe es häufiger Männer. Dass an Schulen „Du Jude“ als Schimpfwort benutzt wird, ist für sie unverständlich und verletzend.

Vika zeigt uns einen „Dreidel“, ein traditionsreiches Spielzeug, das von jüdischen Kindern während des achttägigen Lichterfestes Chanukka gedreht wird.

Vika und Mascha machen deutlich, es gibt eine große Spannbreite und strengere und liberale Auslegungen der religiösen Regeln. Insgesamt werden viele Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen erkennbar. So gibt es wie im Islam und Christentum nur einen Gott, zu dem man betet und man bedeckt sich bei einem Besuch des Gotteshauses, also in der Synagoge ebenso wie in einer Kirche oder Moschee. Allerdings ist auch vielen Religionen eine noch fehlende volle Akzeptanz von Homosexualität gemein. Doch es gebe auch eine jüdische LGBTQ¹-Bewegung, die sich für mehr Toleranz einsetze, erklärt Mascha auf Robins Frage zum Umgang mit Homosexualität.
Das am Schabbat, dem jüdischen Ruhetag, keine Elektronik, also auch kein Handy erlaubt ist, ist für viele der SchülerInnen allerdings unvorstellbar.
Es wird deutlich, es ist gar nicht so leicht sich in Deutschland koscher zu ernähren, es gibt einfach nicht viele jüdische Metzger und Supermärkte. Darum denkt Vika auch über eine Auswanderung nach, obwohl sie sich in Dortmund wohlfühlt. „Es ist nicht einfach den jüdischen Glauben in Deutschland voll auszuleben.“

Insgesamt ist eine lebhafte und spannende Gesprächsrunde. Und die SchülerInnen ziehen durchweg ein positives Fazit. „Ich habe echt viel dazugelernt, die beiden waren super nett und haben alle unsere Fragen beantwortet“. Ein Schüler gibt offen zu, „früher hatte ich irgendwie nur stereotype Vorurteile gegenüber Juden, aber es sind Menschen wie du und ich“.

Eine Begegnung ist der beste Weg Vorurteile abzubauen. Kritik an der Politik der israelischen Regierung darf nicht zu Antisemitismus führen.
Gemeinsam gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung.

¹LGBTQ ist eine aus dem englischen Sprachraum übernommene Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender sowie Queer (lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, queer).